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Das Gefäß
Es heißt ja, dass es zwei Arten von Töpfern gibt, die „
Dreher“ und die „Glasierer“. Ich gehöre eindeutig
zu den Ersteren: immer auf der Suche nach dem perfekten Form. Je mehr
ich versuche, die Form auf das Wesentliche zu reduzieren, umso eher entscheiden
Winzigkeiten im Verlauf einer Gefäßkurve, ob der Schwung nun
perfekt ist oder eben nicht. Wenn das gelingt, dann halte ich mich mit
der weiteren Oberflächengestaltung durch Glasur und Dekor am liebsten
zurück. Gerade unkonventionelle, teilweise nahezu technische Formen
reizen mich. Ein Henkel muss nicht immer „aus dem Gefäß
herauswachsen wie ein Ast aus einem Baum“ und eine Tülle darf
auch mal aussehen wie ein abgeflextes Rohr. Wichtig sind am Ende natürlich
auch die funktionellen Aspekte. Die allermeisten meiner Teekannen liegen
schön in der Hand (Schwerpunkt!) und gießen absolut tropffrei.
So manche „eherne Töpferregel“ habe ich schon verletzt.
Vielleicht führt ja das bedingungslose Befolgen all dieser Regeln
auch nur zu austauschbaren Kannen, Krügen und Tassen?

Vor vielen Jahren hab ich mir eine fußbetriebene Töpferscheibe
selbst gebaut, Ton ausgebuddelt, aufgeschlämmt, geschlagen und verdreht.
Seit 7 Jahren hab ich nun eine ordentliche elektrische Scheibe und das
Drehen geht mir inzwischen gut von der Hand. Gerade als Autodidakt entwickele
ich bezüglich Größe, Höhe und Weite durchaus meinen
Ehrgeiz. Zurzeit drehe ich Röhren von über 40 cm bzw. über
1m Höhe (dann zusammengesetzt) und zentriere wenn nötig über
10 kg Ton für Waschbecken und Schalen von bis zu 65 cm Durchmesser.
Damit ist mein Hunger nach Größe aber noch lange nicht gestillt.
Gelernt habe ich bisher alles aus Büchern und nach
dem Prinzip Versuch und Irrtum. Ein alter Dreh-Profi könnte mir sicher
noch eine Menge wertvolle Tipps und Tricks vermitteln.
Glasiert wird durch Tauchen, Gießen und oft auch mit der Spritzpistole.
Neben gekauften Fertigglasuren (An diesem wunderschönen Rot zum Beispiel
konnte ich einfach nicht vorbei. Seht es euch in der Galerie selbst an!)
kommen inzwischen auch eigene Glasuren zum Einsatz. Die meisten entstehen
auf der Basis von Asche und Lehm und sind mit Kupfer-, Mangan-,Kobalt-
und Eisenoxiden gefärbt. Dabei zeigen sich Braun- und Grüntöne,
unter anderem ein ganz brauchbares „Seladon“ und eine Temmoku-ähnliche
Glasur entstehen. Mein neuestes Baby ist der Salzbrand und das Experimentieren
mit verschiedenen Engoben und Techniken bezüglich des Einbringens
von Soda in die Ofenglut.
Der Ofen
Der winzige elektrische Ofen aus zweiter Hand war bald zu klein, und da
ich das Geld für einen Großen nicht aufbringen konnte habe
ich mir dann einen Holzbrandofen gebaut. Mein ganzer Stolz. Der brennt
in 6- 7 h locker auf 1250°C. Inzwischen ist noch ein zweiter Holzbrandofen
dazugekommen, genauso gut wie der Erste. Dieser ist inzwischen mein Salzbrandofen.
Beide Öfen haben etwa 600-700l Inhalt, zwei Feuerungen und sind unterzügig.

Seit ich diese Öfen habe brenne ich nahezu ausschließlich
Steinzeug. Pro Brand wird etwa ein 1 Raummeter Holz verheizt. Ich bin
ständig auf der Jagd nach Holz und auf meinem Hof liegen inzwischen
mehr als dreißig Raummeter fein gespalten und hübsch gestapelt
( siehe Foto). Zuerst war es nur Buche , aber inzwischen ist mir auch
jedes andere Holz recht. Die Holzpreise machen mir langsam zu schaffen.
Vielleicht ist der Elektroofen irgendwann doch billiger, zumal der Aufwand
mit aus dem Wald sägen, hacken und feuern gewaltig ist und die Lärmbelästigung
für die armen Nachbarn manchmal wohl auch.
Und trotzdem ist der Brand nach den Wochen mit Drehen, Glasieren, Einbauen
und Zumauern des Ofens immer wieder ein echter Höhepunkt. Wenn mein
Öfchen richtig auf Touren gekommen ist und ich durch das Schauloch
meine Pötte in der wabernden Weißglut stehen sehe hüpft
das Herz. Dann schleicht man 72h um den abkühlenden Ofen. Der Moment
des „Aufmachens“ ist wie Weihnachten und Geburtstag auf einmal.
Stück für Stück werden etwa 40 -60 Keramiken nacheinander
aus dem noch heißen Ofen geholt. Manches ist verzogen oder gesprungen
oder einfach enttäuschend, aber immer wieder ist auch etwas dabei,
das einem, warm und glatt in der Hand, im ersten Moment wie pure Magie
vorkommt.
Der Töpfer
Ich bin inzwischen 39 Jahre alt und seit nun 18 Monaten ( Stand
04/09) hauptgewerblich Keramiker. Bis die Töpferei mich ganz in ihren
Bann geschlagen hat, habe ich einige größere Umwege gemacht.
Nach Abitur und Studium habe ich 10 Jahre als Arzt in der Klinik gearbeitet
bis ich dann als promovierter Facharzt für Innere Medizin auf die
hahnebüchene Idee kam, mein Geld nur noch mit Keramik verdienen zu
wollen. Nun ja, es hat mich halt gepackt und ich kann nur hoffen, dass
es mir auch in 10 Jahren noch so viel Spaß macht an der Töpferscheibe
zu sitzen.
Wie schon erwähnt hatte ich keinen Lehrmeister außer natürlich
einer großen Menge Bücher über das Drehen, Glasieren,
den Ofenbau . Aufmerksam gelesen ( zum Teil bis zu fünf mal ) sind
die nicht zu unterschätzen. Ein Drehkurs bei einem wirklich guten
Großdreher hat mir allerdings noch mal eine Menge Impulse und technische
Verbesserungen gebracht. Nicht nur die künstlerische Komponente,
sondern vor allem der handwerkliche Teil haben immer meinen Ergeiz geweckt.
Ich hoffe man sieht es den Stücken an und wünsche viel Spaß
beim Stöbern in meiner virtuellen Galerie.
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